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Bilfinger BergerDie Brücke in den Westen

Park Bridge am Kicking Horse Pass
Bauen in Rekordzeit: Trotz harter Winter dauerte der Bau der Park Bridge und des neuen Straßenabschnitts keine zwei Jahre.
Kicking Horse Pass in Kanada
Geschwungene Trasse durch den Kicking Horse Canyon

Die Straße über den gefürchteten Kicking Horse Pass erwies sich als Türöffner nach Kanada: Bilfinger Berger gilt dort inzwischen als führender Anbieter von privatwirtschaftlichen Verkehrsprojekten.

(Text: Oliver Blaha, Fotos: Bill Pitcher)

Tellergroße Löcher im Asphalt, steile Abhänge, Steinschlag – jahrzehntelang galt die stark frequentierte Straße über den Kicking Horse Pass in den kanadischen Rocky Mountains als eine der gefährlichsten in ganz Kanada. Eine Sanierung des in den Fünfzigerjahren gebauten Highways konnten sich Provinz- und Bundesregierung lange Zeit nicht leisten.

Experten schätzen Kanadas Infrastrukturdefizit derzeit auf über 42 Milliarden Euro. Immer häufiger setzt man deshalb auf Betreiberprojekte, bei denen private Anbieter Straßen und andere öffentliche Einrichtungen planen, finanzieren, bauen und instand halten. „Mit dem Kicking Horse Pass ist uns der Einstieg in den nordamerikanischen Markt gelungen“, erklärt Nick Dawson, verantwortlich für das Betreibergeschäft von Bilfinger Berger.

Kurze Bauzeit und verringerte Kosten

Zwei weitere große Verkehrsprojekte konnte das Unternehmen seitdem akquirieren: die Golden Ears Bridge nahe Vancouver sowie die Calgary Ringroad in Alberta. Nur zwei Jahre nach Markteintritt gilt Bilfinger Berger damit in Kanada als einer der führenden Entwickler privatwirtschaftlicher Betreiberprojekte in der Verkehrsinfrastruktur.

Für das Projekt durch den Kicking Horse Canyon gründete Bilfinger Berger die Trans-Park Group, die mit Planung, Bau und Finanzierung des Teilstücks über den Pass beauftragt wurde. Schon bei der Ausschreibung überzeugte der enge, von Trans-Park Group vorgelegte Zeitplan. Nur 25 Monate kalkulierten die Experten für den aufwändigen Neubau dieses besonders anspruchsvollen Streckenabschnitts – 19 Monate weniger, als das vom Staat beauftragte Planungsbüro veranschlagt hatte.

Der Neubau des Kicking Horse Pass ist ein Verfügbarkeitsmodell, bei dem die Betreibergesellschaft die Risiken aus Planung, Bau und Unterhalt trägt,während der Staat das Risiko aus dem Verkehrsaufkommen übernimmt. Das heißt konkret: Die Betreibergesellschaft erhält vom kanadischen Staat ein vertraglich festgelegtes monatliches Entgelt. Dafür sorgt sie in den nächsten 25 Jahren dafür, dass der insgesamt 26 Kilometer lange Straßenabschnitt inklusive der Brücke jederzeit uneingeschränkt zur Verfügung steht.

„Dazu gehören vor allem das schnelle Ausbessern von Schäden und der Winterdienst. Keine leichte Aufgabe in einer Gegend, in der schwerer Steinschlag und im Winter heftiger Schneefall an der Tagesordnung sind“, erklärt Stephen Perfect, der für das Betreibergeschäft von Bilfinger Berger in Nordamerika zuständig ist. Schon während der Baumaßnahmen mussten die Experten deshalb besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen. Sie stabilisierten Hänge, errichteten Stütz- und Sperrwände und legten Böschungen als Lawinenbrecher an.

Insgesamt wurden über drei Millionen Kubikmeter Erde und Gestein bewegt – das entspricht gut 200.000 Lkw-Ladungen. Solchen logistischen Höchstleistungen ist es zu verdanken, dass der Verkehr bereits nach weniger als zwei Jahren Bauzeit über die neue Straße rollt. Dazu kam die Bereitschaft, auch im harten kanadischen Winter durchzuarbeiten,was die Bauarbeiten nochmals beschleunigte. Am Ende konnte der engagierte Zeitplan sogar noch unterboten werden. Bereits im August 2007 wurde das neue, nun vierspurig ausgebaute Teilstück von Gordon Campbell, Premierminister der Provinz British Columbia, eröffnet – zwei Monate früher als geplant.

Damit sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen sich täglich bis zu 10.000 Fahrzeuge im Schneckentempo über die schadhafte Straße mit ihren extrem steilen Anstiegen quälen mussten. Aus dem einst so gefährlichen Kicking Horse Pass ist eine sichere Straße geworden – mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Der schnelle Zugang zur Pazifikküste gilt als Schlüssel für anhaltendes Wirtschaftswachstum in British Columbia.

Mobilität für die Winterspiele 2010

Einen ähnlich ambitionierten Zeitplan verfolgt Bilfinger Berger beim Bau der Golden Ears Bridge in der Nähe der Westküstenmetropole Vancouver. Die 1.000 Meter lange und bis zu 90 Meter hohe Brücke soll, inklusive 14 Kilometer Zufahrtsstraßen, bis Oktober 2009 fertiggestellt sein – rechtzeitig zum Beginn der Olympischen Winterspiele im folgenden Jahr. Anschließend wird das von Bilfinger Berger geführte Konsortium Brücke und Zufahrtsstraßen für 35 Jahre betreiben. Im Vorfeld sorgte das Unternehmen zudem für Planung und Finanzierung der Straßenverbindung. Als Gegenleistung erhält der Konzern – wie am Kicking Horse Pass – ein vertraglich festgelegtes monatliches Verfügbarkeitsentgelt.